Fans des Fußballclubs Steaua Bukarest

Rapid București v. Steaua București

Ein Blick auf die Tabelle der Stadtliga Bukarest, der vierthöchsten Liga im rumänischen Fußball, offenbart eine Reihe tradiotionsreicher Namen. Den letzten Platz nimmt Venus 1914 ein, welcher an den acht Mal die rumänische Meisterschaft gewann und 1949 aufgelöst wurde, davor steht Victoria Bukarest, die 1990 aufgelöst wurden und in der Saison 1988/89 im Viertelfinale des EC II gegen Dynamo Dresden ausgeschieden sind, weiter vorne platziert ist Carmen Bukarest, die 1946/47, in ihrer einzigen Erstligasaison den zweiten Platz erreichten, nur um noch im selben Sommer aufgelöst zur werden, damit der neu geschaffene ASA Bukarest (später Steaua Bukarest) in die höchste Liga eingegliedert werden konnte. Neben diesen drei Vorkriegsmannschaften stehen an der Tabellenspitze auch die weitaus bekannteren Namen Rapid und Steaua Bukarest.

Im Dezember 2016 hatte der Armeesportklub „CSA Steaua Bukarest“ bekannt gegeben wieder eine Fußballabteilung zu gründen. Zuvor hatte im Dezember 2014 das höchste Bukarester Gericht Gigi Becali den Bezug auf die Erfolge von Steaua Bukarest vor 2003 untersagt. Für die aktiven Fans war es der Moment entgültig mit dem verhassten Inhaber zu brechen. In den vergangenen zwei Spielzeiten boykottierten sie die Spiele des Erstligisten „FC Steaua Bukarest S.A.“ – oder wie sie den Club von Becali fortan abwertend nannten: „FCSB“ – und besuchten stattdessen die Spiele der Rugby-, Basketball- und Handballmannschaften von CSA Steaua Bukarest. Insbesondere für die Fans der „Peluza Sud“ ist „Steaua“ untrennbar mit der Armee verbunden. Später urteilte das Gericht auch, das Becali seinen Verein nicht mehr „FC Steaua Bukarest S.A.“ nennen darf, nun heißt der Club auch offiziell „FC FCSB S.A.“. Im Sommer diesen Jahres wurde „CSA Steaua Bukarest“ in die vierte Liga eingegliedert, wo die Mannschaft um den Aufstieg in die dritte Liga spielt.

Ärgster Rivale um den Aufstieg ist „AS Academia Rapid Bukarest“, ein im August von der Verwaltung des Bukarester Bezirks „Sektor 1“ gegründeter Club, welcher sich vom bankrotten „SC FC Rapid S.A.“ die Markenrechte für ein Jahr gesichert hat. Mit den Rapid-Legenden Daniel Niculae und Daniel Pancu sowie Constantin Schumacher auf der Trainerbank strebt auch Academia Rapid den Sprung in die dritte Liga an. Gleichwohl sieht nicht jeder Rapid-Fan diesen Club als legitimen Nachfolger des 13-fachen Pokalsiegers an. Vielen gilt AFC Rapid als Nachfolger, der ehe die Historie des 1923 gegündeten Clubs beanspruchen kann.

Die Ungewissheit über den legitimen – nicht Rechtsnachfolger – zeigte sich auch im Spiel zwischen AFC Rapid und Academia Rapid am 30. September, als die aktiven Fans dem Spiel fern blieben und dieses nur vor 1.000 Zuschauern ausgetragen wurde. Nun hat Academia Rapid allerdings den Moment für sich, die Mannschaft steht an der Tabellenspitze, während AFC Rapid schon vier Niederlagen hinnehmen musste. Dementsprechend groß war die Euphorie unter den Fans und das Spiel schon am Donnerstag ausverkauft. Im Stadion waren gleichwohl keine Fangruppen-Banner zu sehen und auch die Steaua-Fans ließen auf einem Banner wissen, dass das „echte“ Derby erst in zwei Wochen stattfindet: dann empfängt der Steaua den AFC Rapid.

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Steaua Bukarest

Steaua lui Becali vs. Steaua Armatei

Unter der Überschrift: „Marius Lăcătuș kehrt zu Steaua Bukarest zurück“, hatte der Armeesportklub „CSA Steaua Bukarest“ am Montag bekannt gegeben, wieder eine Fußballabteilung zu gründen. Ein Foto auf der Internetseite des Armeesportklubs zeigte die Steaua-Legende und Präsident Oberst Cristian Petrea bei einer Vertragsunterzeichnung. Lăcătuș soll sportlicher Leiter werden und CSA Steaua Bukarest ab der kommenden Saison in der vierten Liga an den Start gehen, hieß in dem Statement.

Mit Spannung wurde die für Mittwochvormittag einberufene Pressekonferenz erwartet, denn mehr Informationen gab es zunächst nicht. Neben dutzenden Journalisten kamen auch zahlreiche Fans nach Ghencea. Verschiedene Ultra‘-Gruppen hat zur Unterstützung von Marius Lăcătuș aufgerufen. Insbesondere für die Fans der „Peluza Sud“ ist „Steaua“ untrennbar mit der Armee verbunden. In den vergangenen zwei Jahren boykottierten die Ultras die Spiele von „FC Steaua Bukarest S.A.“ – oder wie sie den Klub von Becali abwertend nannten: „FCSB“ – und besuchten stattdessen die Spiele der Rugby-, Basketball- und Handballmannschaften von CSA Steaua Bukarest.

Unser Projekt sieht die Nutzung der Bezeichnung ‚Steaua Bukarest‘ vor. Die Mannschaft hat ein Wappen, welches sie verwenden wird. Die Geschichte ist die von CSA Steaua Bukarest. Wir haben nie die Geschichte der Fußballabteilung abgegeben“, so Armeesportklub-Präsident Petrea während der Pressekonferenz.

Das bedeutet, die Fußballabteilung wird das Wappen nutzen, welches FC Steaua Bukarest nach der Übernahme durch Gigi Becali einführte – eine Anlehnung an das von 1974 bis 1991 genutzte Wappen. Das höchste Bukarester Gericht untersagte Becali im Dezember 2014 dessen Nutzung ebenso wie den Bezug auf die Erfolge vor 2003. Letzterem ist Becali bis heute nicht nachgekommen.

Gefragt zu den sportlichen Zielen antwortete Oberst Petrea: „Wir wollen sportlich verdient aufsteigen, ohne uns zu übernehmen. Wir wollen das Projekt unserer Fußballmannschaft mit den Modernisierungsarbeiten am Stadion abstimmen. Wir wollen, dass die Fans in uns einen verlässlichen, loyalen und transparenten Partner sehen.“

Offiziell gegründet werden soll die Fußballabteilung im kommenden Jahr. Die sportliche Leitung übernimmt Marius Lăcătuș, allerdings nicht das Traineramt. Die Mannschaft soll vornehmlich aus U-19-Spielern bestehen, verstärkt durch erfahrene Akteure. Zudem ist der Aufbau einer Jugendakademie nach dem Vorbild der „Fußball-Akademie Gheorghe Hagi“ geplant. Vor sechs Jahren hatte Gigi Becali das Nachwuchszentrum seines Klubs mit den Worten: „Ich gebe zu viel Geld für die Jugendakademie aus. Sie ist es nicht wert“, geschlossen.

Oberst Petrea bezifferte das Budget für die erste Saison auf 300.000 Euro, welches sich komplett aus Mitteln des Armeesportklubs zusammensetzen soll. Kommentiert hat den Betrag Gheorghe Chivorchian, Präsident von Zweitliga-Tabellenführer Juventus Bukarest mit den Worten: „Mit 300.000 Euro bist du in der zweiten Liga der Großgrundbesitzer.“

Geplant haben Lăcătuș und Petrea den direkten Durchmarsch in die 1. Liga. In der Saison 2020/21 soll es dann im Ghencea-Stadion zum Duell gegen „Steaua lui Becali“ kommen. Die Heimstätte von Steaua wird im Zuge der Europameisterschaft 2020 renoviert. Bis zum Abschluss der Arbeiten soll auf einem Nebenplatz auf dem Sportkomplex Ghencea gespielt werden.

Ob die Mannschaft nach dem EM-Turnier bereits Erstligaspiele im Stadion austragen kann, wie von beiden erhofft, ist allerdings noch unklar. Dies würde bedeuten, die Mannschaft wird in die vierte Liga eingegliedert. In der Regel startet ein neuer Klub allerdings in der untersten Spielklasse: das ist in Bukarest die fünfte Liga.

Die Entscheidung über die Ligazugehörigkeit trifft schlussendlich der Kreisverband Bukarest. Die in diesem Sommer neugegründeten Vereine AS Petrolul 52 Ploiești, SC Oțelul Galati, SSC Farul Constanța und CSM Hunedoara waren vom jeweiligen Kreisverband dazu eingeladen worden in der vierten Liga zu starten, da freie Startplätze vorhanden waren. Hunedoara wurde allerdings für die aktuelle Saison kein Aufstiegsrecht zugesprochen. Auch AFC Rapid Bukarest hatte im Sommer auf eine Eingruppierung in die vierte Liga gehofft, welche nicht erfolgte. Die Mannschaft musste in der fünften Liga starten.

In den Niederungen des Bukarester Fußballs wäre „Steaua Armatei“ nicht alleine. Auf den Plätzen der Hauptstadt spielen schon jetzt mehrere große Namen. Allein drei Mannschaften beziehen sich auf Rapid Bukarest: AFC Rapid, ASSC Rapid und CFR Mișcarea Bukarest. Ebenfalls in der fünften Liga spielt CS Dinamo Bukarest, in der vierten Liga zudem Progresul Spartac 1944 und Progresul Bukarest sowie Sportul Studențesc und Venus 1914.

CSA Steaua Clubul Sportiv al Armatei Steaua Bucureşti